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Herzlich willkommen zur heutigen Lagenverkostung.
Die VDP-Grosse Lage Kammerberg liegt im französischen Teil der Einzellage Sonnenberg. Offiziell gibt es diese Lage eigentlich nicht und die Weingüter kennzeichnen ihre Weine durch ein K.B. oder Kammerberg zensiert. Der Boden im Kammerberg besteht aus Kalksteinverwitterung, Lehm und Ton, mit reinem Kalkstein im Untergrund. Nachdem wir uns endlich mal wieder getroffen haben, war natürlich Spätburgunder fällig. Zwei VDP-Weingüter aus Schweigen erzeugen Spätburgunder in dieser GG-Lage. Das Weingut Jülg hat einen kometenhaften Aufstieg in den VDP und die Top-Winzer Gruppe in der Pfalz hingelegt. Das 25 ha Weingut wird in der Zukunft noch stärker auf die Burgundersorten, insbesondere Chardonnay setzen. Große Weine schmecken auch schon als junger Wein. Der 21er K.B. zeigte dies deutlich.
Ebenfalls aus Schweigen kommt das Weingut Friedrich Becker. Fritz Becker ist einfach ein Doyen für deutschen Spätburgunder der Weltklasse. Ein Dickkopf, Qualitätsfanatiker und Romanée Conti-Jünger. Sein Sohn Friedrich Wilhelm hat mittlerweile die Leitung übernommen und setzt eigene, großartige Akzente. Beim Öffnen der Flasche ging schon etwas Ehrfurcht über den Korkenzieher in den gesamten Körper und die rechte Gehirnhälfte. Wir wurden von beiden Weinen nicht enttäuscht. Großes Kino im kleinen Rothenburg o.d.Tbr.
Hoch lebe die Pfalz.
Weingut Jülg Sonnenberg K.B. Spätburgunder GG 2021. 46,5 Wernerpunkte
Weingut Friedrich Becker Kammerberg zensiert Spätburgunder GG 2017. 48,5 Wernerpunkte
Hallo ihr beiden!
Diesmal muss ich etwas zu euer Gläserwahl sagen. Ich denke, bei einem Spätburgunder-GG (gerade wenn es so jung ist wie in dem Fall) ist doch ein größeres Burgunder-Glas die bessere Wahl als euer Universal-Glas.
Herzliche Grüße
Carsten
Hallo Carsten,
vielen Dank für den Kommentar.
Da hast du natürlich absolut recht. Burgundergläser haben wir auch in Würzburg und Wien. Nur halt nicht in Rothenburg wo wir gedreht hatten. Da musste das Universalglas ran. Die nächsten Pinot-GGs probieren wir sicher wieder in Würzburg oder Wien.
Viele Grüße
Burkhard
Vor einigen Monaten hatten wir einen 12er Kammerberg von Becker im Glas, den wir eher „embryonal“ fanden, ungeachtet dessen, daß er dennoch sehr schön zu trinken war; hat alle Anlagen zu einem großen Wein…
Den Kammerberg gibt’s schon offiziell, allerdings als französische Katasterlage. Da sich die deutsch-französische Sondervereinbarung aber nur auf den Schweigener Sonnenberg bezieht und nicht auf weitere Gewanne darin, darf auch nur dieser übergreifende Lagenname genannt werden. Eine Zeit lang war auch die Nennung von „St. Pauls“ verboten und es gab die entsprechenden GGe nur als „S.P.“; da die betreffende Katasterlage in F jedoch offiziell „Paulin“ heißt, hat man irgendwann „St. Pauls“ als Phantasiebezeichnung akzeptiert.
Da gibt’s diverse Gerichtsverfahren dazu, wen’s interessiert:
https://www.landesrecht.rlp.de/jportal/recherche3doc/VG_Trier_2_K_12306-17_TR_NJRE001349241.pdf?json=%7B%22format%22%3A%22pdf%22%2C%22docPart%22%3A%22L%22%2C%22docId%22%3A%22NJRE001349241%22%2C%22portalId%22%3A%22bsrp%22%7D&_=%2FVG_Trier_2_K_12306-17_TR_NJRE001349241.pdf
Übrigens bin ich nicht der Meinung, daß man jeden Spätburgunder obligatorisch im Burgunderglas genießen sollte, das mache ich auch nur dann, wenn ich feststelle, daß es dem jeweiligen Wein im Gabriel-Glas „zu eng“ wird, oft genug habe ich dann doch wieder ins Gabriel-Glas zurückgeschüttet, weil sich der Wein im Burgunderhumpen verloren hat bzw. diesen nicht ausfüllen konnte. Entscheidung im Einzelfall und gemäß geschmacklicher Präferenzen, ein Dogma sollte man nicht draus machen…
Und was die Korken angeht: gerade bei solchen Langläufern bin ich da aufgrund einiger negativer Erfahrungen zunehmend skeptisch, denn auch bei den an sich höherwertigen Korken sind die Streuungen bezüglich der Sauerstoffdiffusionsraten auch innerhalb einer Charge erheblich (nicht selten zwei Zehnerpotenzen), dazu kommt, daß die Diffusionsraten nach 5 bis 8 Jahren beim Kork auch recht steil ansteigen, weshalb der Reifeverlauf einzelner Flaschen irgendwann extrem unterschiedlich wird, da hat man dann nur noch Korklotto. Das ist für mich das eigentliche Problem beim Korken, TCA ist ja zum Glück kaum mehr ein Problem (warum soll eigentlich ich als zahlender Endverbraucher das völlig unkontrollierbare Verschlußrisiko hinsichtlich der Reifung tragen?). Deshalb aus meiner Sicht lieber Schrauber, die gibt’s ja mittlerweile auch mit definierten Sauerstoffdiffusionsraten und die Streuungen sind erheblich geringer. Optimal wär’s natürlich, wenn es beide Verschlußvarianten im Angebot gäbe (machen leider nur sehr sehr wenige Weingüter), den Kork für die Plopp-Fetischisten und Hazardeure, den Schrauber für diejenigen, die unter Zuhilfenahme technischer Innovationen beruhigt ihren Lieblingen beim Reifen zusehen möchten… 😉